Nickel-Schrott

Nickel-Schrott

Schwedische Berggeister gaben dem Nickel seinen Namen. Immer wieder fanden die Arbeiter in Kupfererzminen Erze, die zwar aussahen, als enthielten sie Kupfer, doch es ließ sich kein Kupfer daraus gewinnen. Die Bergleute glaubten, die Berggeister (Schwedisch Nickeln) wollten Späße mit ihnen treiben. Als dann 1751 der schwedische Chemiker Axel Frederic Cronstedt erstmals das bis dahin unbekannte Metall aus sulfidischen Erzen isolieren konnte, übernahm er die Bezeichnung der Bergleute. Heute ist Nickel eines der wichtigsten Metalle in der industriellen Verarbeitung.

Nickel kommt an nur sehr wenigen Lagerstätten in Reinform vor. Ähnlich dem Aluminium, das aus Bauxit extrahiert wird, erfolgt die Gewinnung von Nickel heute überwiegend aus Laterit. Sowohl Bauxit als auch Laterit sind über lange Zeit entstandene Verwitterungsprodukte der Erdoberfläche, wobei sich leichtere Bestandteile verflüchtigten und schwere Elemente, wie Nickel, verdichten.

Im Gegensatz zu Aluminium ist Nickel jedoch ein relativ seltenes Metall. So wurden im Jahr 2020 rund 65 Millionen Tonnen Aluminium produziert, jedoch nur 2,7 Millionen Tonnen Nickel, was das Metall letztlich im Schrottankauf beim Schrotthändler recht wertvoll macht. Der weitaus größte Teil an Nickel-Schrott ist Altmetall mit einem unterschiedlich hohen Legierungsanteil an Nickel.

Was sind die häufigsten Altmetalle mit Nickelanteilen?

Sehr viele Metalle enthalten heute Nickel oder sind vernickelt. Nicht rostender Stahl (Nirosta) enthält beispielsweise Nickel, abhängig vom Legierungsgrat. Der häufig vorkommende Edelstahl mit der Bezeichnung V2A etwa enthält 8 % Nickel. Der höherwertige Edelstahl V4A jedoch schon 11 %. Kunden, die ihren Schrott verkaufen und dabei zum Beispiel Nirosta-Bestecke mitbringen, haben es in der Regel leicht, den Nickelanteil zu bestimmen. Bestecke aus Edelstahl tragen auf der Rückseite mitunter einen Prägestempel mit der Bezeichnung 18/10 oder auch 18/8. Das sind die Bestandteile von Chrom und Nickel im Geschirr. Der Nickelanteil beträgt hier entweder 10 % oder 8 %, während der Chromanteil jeweils 18 % beträgt.

Nickel macht vor allem Stahl gegen Korrosion, aber auch Laugen und Säuren weitgehend resistent. Darum sind rostfreie Stähle mit Anteilen von Nickel vor allem dort im Einsatz, wo dauerhafter Kontakt mit Feuchtigkeit vorkommt, zum Beispiel:

  • Wasserhähne
  • Edelstahlrohre
  • Werkzeuge
  • Edelstahl-Schrauben
  • Niro-Geschirr
  • Edelstahl-Profile

Hoch im Norden Deutschlands findet Niro-Stahl besonders häufig Anwendung, denn hier arbeiten Wasser und Salz zugleich daran, Stahl in Rost umzuwandeln. Anbauteile an Schiffen und Booten sind hier grundsätzlich in nicht rostendem Stahl ausgeführt. Dazu muss gesagt werden: Es gibt auch Edelstahl, der rosten kann. Edelstahl bedeutet lediglich, dass ein Stahl mit einem anderen Metall legiert, also veredelt wurde. Erst wenn Nickel oder auch Chrom als Legierungsbestandteil vorhanden ist, entsteht eine Korrosionsbeständigkeit, deren Grad vom prozentualen Anteil an Nickel abhängig ist. In der Regel sind das 6 bis 11 Prozent Nickel.

Dementsprechend ist es kaum verwunderlich, dass zum Beispiel beim Unternehmen MADI, das im Großraum Hamburg im Altmetallhandel tätig ist, des Öfteren Niro-Stähle angeliefert werden. Das Familienunternehmen bietet bei Bedarf gewerblichen Firmen auch einen Abholservice sowie einen Containerwechseldienst an.

Gibt es Metall-Schrott aus reinem Nickel?

Ja, aber sehr selten. Meist wird reines Nickel in Laboratorien eingesetzt. Das Metall besitzt eine sehr hohe chemische Beständigkeit, weshalb es zum Beispiel für Tiegel verwendet wird, in denen sogenannte Aufschlüsse vorgenommen werden. Wenn etwa Oxide oder Silikate aufgeschlüsselt, also deren Bestandteile festgestellt werden müssen, braucht es ein Gefäß, das mit diesen Bestandteilen keine Verbindung eingeht. Reines Nickel ist aber auch ein Katalysator in der Lebensmittelindustrie, so etwa zur Hydrierung von ungesättigten Fettsäuren. Lebensmittelindustrie ist ein Stichwort für eine eher unangenehme Eigenschaft des Nickels.

Die Nickelunverträglichkeit

Nickel kann bei einer bestimmten Konzentration Allergien und Hautunverträglichkeiten auslösen. Früher geschah dies oft durch mit Nickelanteilen gefertigtem Schmuck. Heute sind die Nickelanteile für Produkte mit dauerhaftem Körperkontakt in der EU per Gesetz auf ein gefahrloses Maß gesenkt. Allerdings enthält praktisch jedes Lebensmittel einen natürlichen Anteil Nickel, genauso wie Aluminium. Menschen mit einer Nickelallergie sollten deshalb vor allem Nüsse, auch Erdnüsse, meiden. Doch das nur am Rande. Menschen, die sich zum Beispiel an eine Schiffsreling aus Niro-Stahl klammern, weil die See etwas kabbelig ist, müssen sich darum nicht auch noch Sorgen machen.

Übrigens enthalten auch 1- und 2-Euro-Münzen einen kleinen Anteil Nickel. Im Schrott-Handel werden diese jedoch verständlicherweise kaum zum Kauf angeboten. Der Nickelanteil in den Münzen besitzt einen bestimmten Zweck. Nickel ist magnetisch und reagiert auf die Sensorik von Verkaufsautomaten. So können Falschmünzen neben anderen Merkmalen von echten Münzen unterschieden werden.

Wie wird Nickel denn recycelt?

Der Bedarf an Nickel steigt jährlich um etwa 4 % an. Gleichzeitig ist absehbar, dass die natürlichen Ressourcen ab heute gerechnet in etwa 25 Jahren erschöpft sind. Darum wird und ist schon heute recyceltes Nickel die wichtigste Quelle für den industriellen Einsatz. Da der weitaus größte Teil an Nickel in Edelstählen verarbeitet ist, wird das Nickel entsprechend in speziellen Schmelzprozessen (Gleichstrom-Plasmalichtbogen-Schmelzverfahren) wiedergewonnen.

Dieses Sekundärnickel wird unter anderem auch in erneuerbaren Energiegewinnungsanlagen eingesetzt, den thermischen Solaranlagen. Hier erzeugen mittels auf einen gemeinsamen Punkt fokussierte Solarspiegel extrem hohe Temperaturen. Diese Temperaturen jenseits von 500 Grad Celsius lassen sich nur mit entsprechend widerstandsfähigen Materialien handhaben. Nickel besitzt dabei aufgrund seiner hohen Temperaturbeständigkeit bezüglich der Lebensdauer der Anlagen eine tragende Rolle.

Der Schrotthandel – auch für Nickel der Dreh- und Angelpunkt im Recycling

Unternehmen, wie MADI in der Region Hamburg, bilden bundesweit ein Netzwerk zur Anlieferung oder Abholung von Alt-Metallen mit Nickelanteilen. Firmen und Privatleute wiederum haben so eine Anlaufstelle zur vernünftigen Entsorgung ihres Schrotts und verdienen dabei auch noch. Ohne die Tätigkeit der Schrotthändler würde Nickel schon heute zu einem unkontrollierbaren Spekulationsobjekt. Teilweise ist dies an den Börsen schon zu beobachten. Nur der Schrotthandel kann hier gegensteuern, indem die Nachfrage nach Nickel durch Alt-Metall befriedigt wird.