Schrott aus Wolfram

Es gibt Gerüchte, die sich nur schwer nachweisen lassen, vor allem, weil die Leidtragenden solcher Gerüchte nur ungern den Gegenbeweis führen. Denn, wenn sie falsch liegen und das Gerücht ist wahr, wäre der Verlust gigantisch. So ein Gerücht ist etwa die Vermutung, dass die US-Goldreserven zu einem Teil aus Wolfram bestehen. Wolfram und Gold besitzen eine fast gleiche Dichte. Wolfram 19,3 und Gold 19,32. Nun kostet jedoch Wolfram aktuell im Schrottankauf nur 24 Euro das Kilo, Gold aber 57.080 Euro das Kilo. Angenommen, ein Goldbarren zu 1 Kg wird angebohrt und in das Bohrloch lediglich 100 g Wolfram gefüllt und die Barrenoberfläche wieder hergestellt, wurde Wolfram für 2,40 Euro gegen Gold für 5708 Euro ausgetauscht. Ein derartiger Betrug lässt sich selbst mit heutigen Mitteln nur feststellen, wenn der Barren aufgeschnitten wird. Im Jahr 2012 wurden zum Beispiel in der Schweiz auf diese Weise präparierte Goldbarren entdeckt.

Natürlich ist Wolfram nicht dazu da, um Goldbarren zu fälschen. Das Schwermetall hatte seinen ersten großen Auftritt auf der Bühne des Weltgeschehens, als die US-Firma General Electric im Jahr 1911 begann, Glühlampen mit einem Wolframfaden herzustellen. Neben Tantal als Glühfaden, das aber später verdrängt wurde, sorgte Wolfram überall auf der Welt für dauerhaftes Licht in der Dunkelheit. Im 21. Jahrhundert war aber zumindest in der EU Schluss mit der Glühlampe, weil viel zu viel Wärme, über 97 %, und viel zu wenig Licht. Das war jedoch nicht das Ende von Wolfram.

Der Name Wolfram entstand übrigens schon im 16. Jahrhundert und war wenig schmeichelhaft, weil es nach damaligem Verständnis Zinnerze verunreinigte, das Erz quasi wie ein Wolf auffraß und dabei wie Ruß (mittelhochdeutsch damals „Rahm“) aussah, was zusammen Wolfram ergab.

Wolfram, ein kritisches Metall

Das Schwermetall besitzt den höchsten Schmelzpunkt aller chemischen Elemente (3422 0 C). Zugleich zeichnet es sich durch seine Härte, Dichte und Druckfestigkeit aus. Damit ist Wolfram oder besser Wolframcarbid der ideale Bestandteil für Werkzeuge in der Metallbearbeitung. Wenn von Bohrern, Fräsköpfen, Sägeblättern, Schweißelektroden oder Schleifscheiben aus Hartmetall die Rede ist, dann ist meist Wolframcarbid der entscheidende Legierungsanteil. Fast 70 % der weltweiten Gewinnung von Wolfram wird in Wolframcarbid umgewandelt, um in Hartmetall-Werkzeugen eingesetzt zu werden.

Auch beim Militär ist Wolframcarbid aufgrund seiner hohen Dichte ein begehrtes Metall, als Bestandteil panzerbrechender Munition.

Daneben gibt es einige andere Einsatzbereiche, die jedoch bezüglich der Menge kaum Relevanz besitzen. Wolfram ist aus verschiedenen Gründen ein sowohl kritisches als auch strategisches Metall, ein sogenannter Konfliktrohstoff, weshalb das Recycling über den Schrotthandel große Bedeutung besitzt. Zum einen erfolgt die Gewinnung von Wolfram oft in Ländern mit politischen Führern, die fragwürdige Ansichten zu Menschenrechten haben. Zum anderen werden die weltweiten natürlichen Vorkommen von Wolfram in etwa 30 Jahren erschöpft sein. Wolfram ist aber in der Hartmetallherstellung praktisch unentbehrlich beziehungsweise kann nur durch Metalle, wie etwa Tantal, ersetzt werden, die die gleiche Problematik besitzen. Ohne die Gewinnung von Wolframcarbid aus dem Altmetall im Schrotthandel würden sich die Hartmetallwerkzeuge so verteuern, dass ihr industrieller Einsatz kaum noch möglich oder ein enormer Preisanstieg zu verzeichnen wäre.

Hohe Recyclingquote, die noch weiter steigen muss

Schon heute beträgt die Recyclingquote von Wolfram und Wolframcarbid rund 35 %. Schrotthändler, wie etwa das Familienunternehmen MADI, dass im Großraum Hamburg tätig ist, kaufen von Privatpersonen, überwiegend jedoch von Gewerbetreibenden, Schrott aus Wolfram oder mit Wolframlegierungsbestandteilen auf und führen es den Verwertern zu. Dazu bietet die Firma feste Anlieferzeiten, aber auch die Schrottabholung und bei größeren, regelmäßig anfallenden Mengen einen Containerdienst mit Wechselservice an.

Die Spannbreite an Wolframschrott ist hoch, so zum Beispiel:

  • Glasschmelzelektroden
  • Verdampferwendel
  • Kunstoffschmelzelektroden
  • Wolfram Carbid
  • Stanzreste
  • Aluschmelzelektroden
  • Sputter Targets
  • Wolfram Legierungen
  • WIG Elektroden
  • Wolfram Kupfer Legierungen
  • Wolframstangen
  • Wolframbleche
  • Wolframrohre
  • Wolframspäne
  • Wolframstücke
  • Wolframfolie
  • Wolframbolzen
  • Wolframpulver
  • Wolfram Draht
  • Wolframplatten
  • Wolframabschnitte
  • Ferro Wolfram

Es lohnt sich aber auch für Privatpersonen, den Hobbykeller oder die Garage nach Schrott aus oder mit Wolfram zu durchforsten. Abgebrochene Hartmetall-Bohrer, Hartmetall-Schleifscheiben, Wolframelektroden, aber auch alte Golfschläger können Wolfram enthalten. Wie schon erwähnt, besitzt Wolfram fast das gleiche Gewicht wie Gold, weshalb ein oder zwei Kilo recht schnell zusammenkommen können. Bei einem Ankaufspreis beim Schrotthändler von 24 Euro pro Kilo, abhängig von der Legierung, ist das eine durchaus lohnende Sache und es hilft, die Welt ein bisschen besser zu machen.

Zunächst wird mit Sekundärwolfram die Rohstoffgewinnung in diktatorischen Ländern reduziert. Recycling-Wolframcarbid aus Stahl zu gewinnen, ist weit weniger energieaufwendig als die Gewinnung des Wolframs aus Erzen und dann dessen Umwandlung in Wolframcarbid. Obwohl es sich paradox anhört, so ist Wolfram auch im militärischen Einsatz die bessere Wahl bezüglich der Folgen. Wolfram ist weder giftig, noch strahlt es radioaktiv. Der Ersatz für Wolfram in panzerbrechender Munition wäre jedoch angereichertes Uran, das durch seine hohe radioaktive Strahlung weit über den Einschlagbereich hinaus Strahlungsopfer fordern würde.

In den letzten 10 Jahren hat sich der Preis für Wolfram an den Rohstoffbörsen mehr als verdoppelt, was darauf zurückzuführen ist, dass China als Hauptproduzent von Wolfram seine Gewinnung zurückfährt und immer mehr Wolfram für sich selbst benötigt. Gleichzeitig steigt der weltweite Bedarf an Wolfram kontinuierlich. Altmetall mit oder aus Wolfram ist also ein recht wertvoller Schrott, der über den lokalen Schrotthändler in die Kreislaufwirtschaft zurückgebracht wird. Ein Gewinn für alle Seiten.