Zinn – alte Teller mit gutem Materialwert

zinn geschirr

Viele im deutschsprachigen Raum vorzufindende Nachnamen basieren auf im Mittelalter von den jeweiligen Vorfahren ausgeübten Berufen. Dabei ist klar ersichtlich, wofür Nachnamen wie Becker, Müller oder Meier (Brot, Mehlherstellung und Käse/Butterproduktion) stehen. Aber auch Kannengießer ist ein durchaus häufiger Name. Dahinter versteckt sich der Beruf des Zinngießers. Aus entwicklungstechnischer Sicht hat Zinn die Menschheit fraglos weiter vorangetrieben als etwa Gold oder Silber.

Vor ungefähr 6600 Jahren wurde auf dem Gebiet des heutigen Serbien erstmals Zinn aus Mineralien wie etwa Stannit gewonnen. Vor etwa 5000 Jahren wurde das Erzgebirge zur zentralen Lagerstätte Europas für Zinnminerale und damit auch ein Zentrum für die Zinnverarbeitung. Zusammen mit Kupfer gab Zinn einer ganzen Entwicklungsstufe ihren Namen, der Bronzezeit. Eine durchaus als sympathisch anzusehende Eigenschaft besteht darin, dass es für die Anwendung als Waffe zu weich, aber trotzdem hart genug für Haushaltsgegenstände ist. Zudem ist es in ausreichenden Mengen vorhanden und lässt sich aufgrund seines niedrigen Schmelzpunktes hervorragend verarbeiten. Ab etwa dem 10. Jahrhundert verdrängte Zinngeschirr in Europa langsam den Holzlöffel und die Holzschüssel in den Haushalten. Seine beliebige Formbarkeit machte dann auch erst solche Gegenstände wie Kannen und Gabeln möglich. Die Dominanz des Zinns in diesem Bereich hielt bis zur industriellen Revolution zur Mitte des 19. Jahrhunderts an. Eigentlich sollte es deshalb reichlich Artefakte aus Zinn geben, doch Zinn verleitete die Menschen sehr früh dazu, Recycling zu betreiben. Schon im frühen Mittelalter nutzten Zinngießer nicht nur neues Zinn, sondern schmolzen altes Zinngeschirr ein, um daraus neues Küchengeschirr zu machen.

Auch heute gibt es noch Zinngeschirr, wenn es nicht irgendwann vielleicht von einem Familienmitglied zu Zinnsoldaten oder auch Schachfiguren umgegossen wurde. Das Zinn selbst bleibt dabei ja erhalten.

Neue Karriere als Lötzinn, Weißblech oder in der Chemie, Zinn ist im Aufwind

Aus einem Zinnteller löffelt heute kaum noch jemand seine Suppe aus, dafür aber ist Zinn auch im digitalen Zeitalter unentbehrlich und die Suppe kommt aus einer mit Zinn beschichteten Weißblechdose. Überall wo es um die feste Verbindung von elektrischen und elektronischen Komponenten geht, ist Lötzinn das verbindende Element. Zinn haben wir auch unseren klaren Durchblick zu verdanken. Das ist nicht sinnbildlich, sondern wörtlich gemeint. Modernes Fensterglas schwimmt in der Fertigung auf einer Schicht flüssigen Zinns und ist genau deshalb so glatt.

Das Erzgebirge ist als Zinnlieferant schon lange nicht mehr von Bedeutung. Die größten Mengen kommen aus China, was dazu führte, dass mit dem Beginn der Pandemie und den damit verbundenen Transporteinschränkungen der Zinnpreis an den Rohstoffbörsen rasant zu steigen begann und mit dem Ukraine-Konflikt noch einmal einen Schub erhielt. In der zweiten Märzwoche 2022 überstieg der Preis für Zinn kurzfristig die 50.000-Dollar-Marke für eine Tonne und bewegt sich aktuell bei knapp 43 USD beziehungsweise 38,8 Euro pro Kg.

Schrottpreise für Zinn sind gleichermaßen im Allzeithoch

Zinn als Schrott verkaufen beziehungsweise, als Altmetall beim Schrotthändler abzugeben, lohnt sich richtig. Handelsfähiges Reinzinn, also unlegiertes Zinn, wird aktuell im Schrottankauf mit rund 25 Euro das Kg entlohnt. Geschirrzinn, das meist mit Kupfer legiert ist, bringt es auf gut 19 Euro und sogenannter Zinnschrott, etwa mit Blei legierte Lötzinnabfälle, können immer noch etwa 9 Euro das Kg einbringen.

Solche Werte können Schrotthändler durchaus dazu verleiten, Serviceleistungen wie die Schrottabholung anzubieten, wobei es bei Zinn nicht unbedingt ein ganzer Container sein muss. Die Firma Madi-Schrott in Rosengarten-Buchholz bei Hamburg zum Beispiel bietet einen Containerdienst mit Wechselservice für den gesamten Großraum Hamburg an. Das kann aber auch eine größere Kiste sein, wenn denn deren Inhalt aus Zinn oder Schrottzinn besteht. Natürlich unterhalten die norddeutschen Altmetallhändler auch Annahmestellen für die Schrottanlieferung.

Solch durchaus teurer Schrott entsteht beispielsweise in galvanischen Betrieben, die Zinn zur Oberflächenbeschichtung einsetzen oder auch in Unternehmen, die sich der Leiterplattenbestückung widmen.

Schrott aus Zinn in den eigenen vier Wänden

Um hier eines vorwegzunehmen, der normale Handel mit Altmetallen umfasst üblicherweise keinen Elektronikschrott. Auf dieses Segment des Recyclings haben sich verschiedene Firmen spezialisiert und dazu Kapazitäten aufgebaut, um beispielsweise Fernseher, Computer und ähnliches in ihre Einzelteile zu zerlegen. Der Aufwand, etwa von einem Motherboard eines Computers das Lötzinn zu gewinnen, ist nur im großen Stil lohnenswert und wird überwiegend von sogenannten Scheideanstalten vorgenommen, an die etwa die Geräte aus der Geräte-Rücknahme-Pflicht von Händlern geliefert werden. Genau dorthin, zum Händler, gehören derartige Altgeräte.

Auch ohne Elektroschrott kann es in einem Haushalt durchaus Zinn in beachtlichen Mengen geben, heute vorwiegend aus dem Bereich der Andenken und Mitbringsel. So etwa:

  • Zinnteller
  • Zinnkrüge
  • Zinnbecher
  • Zinnfiguren
  • Andenkenmünzen
  • Medaillen

Die Vorschläge beziehen sich natürlich nur auf Objekte, die für ihre Besitzer/innen keine Relevanz mehr besitzen und die auch keinen Wert im Sinn einer Antiquität darstellen. Da bliebe zwar unter Umständen noch der Weg zum nächsten Flohmarkt, doch Andenken aus Zinn werden dort meist nur mit deren Materialwert gehandelt. Allein die Standgebühr würde einen eventuellen Gewinn auffressen. Da stellt der Altmetallankauf des Schrotthandels die lohnendere Alternative dar. Das gilt ebenso für Zinngeschirr, selbst wenn der Besteckkoffer noch vollständig ist. Schmuck könnte eine weitere Quelle für Zinn als Altmetall sein. Vor allem Broschen, aber auch Ringe und Ohrringe wurden früher gerne aus Zinn hergestellt und als Modeschmuck verkauft.

Wie lässt sich Zinn erkennen?

Es wird viel vom sogenannten „Zinnschrei“ geschrieben. Dieses seltsame Geräusch gibt jedoch nur reines Zinn ab, wenn es gebogen wird. Reines Zinn ist jedoch bei Haushaltsgegenständen oder Andenken kaum zu finden. Es sind überwiegend Legierungen mit geringen Anteilen von Kupfer, aber gerade bei älteren Gegenständen auch mit Blei.

Zinn, auch niedrig legiertes Zinn, lässt sich einfach verbiegen, besitzt eine silbrig-graue Oxidationsschicht und ist nicht magnetisch. Zinn bricht nicht, auch wenn es stark gebogen wird, im Gegensatz etwa zu Blei, mit dem es immer wieder verwechselt wird. Am Gewicht, Zinn ist wesentlich leichter als Blei, lässt es sich nur feststellen, wenn eine relativ aufwendige Volumenmessung vorgenommen wird. Am besten damit zum Fachmann bei der Altmetall-Annahme, der oder die hat reichlich Erfahrung in Sachen Zinn-Schrott.